Reisebeschreibung:
Kanada Ost Robben Tour

Umwelt-Info

Seit 30 Jahren prangert die Tierschutz-Organisation IFAW (Int. Fund for Animal Welfare) die Robbenjagd in Kanada an. Mit nur mäßigem Erfolg. Immerhin hat sie es geschafft, daß keine Whitecoats mehr gejagt werden dürfen. Erst wenn sie ihr weißes Fell verloren haben, dürfen sie gejagt werden. Die Fischer argumentieren, daß die Geburtenrate der geschätzten 5 Millionen Sattelrobben ca. 5 % beträgt. Die Fangquote liegt also so hoch wie die natürliche Reproduktionsrate. Doch da die Fischer nur etwa 10 € pro Fell erhalten, sind sie mehr als bereit eine alternative Einnahmequelle im Winter z.B. als Guide zu akzeptieren. Und so vertritt die IFAW nun den Standpunkt, daß der Robbentourismus langfristig zur Abnahme der Fangquoten beiträgt.

Îles de la Madeleine

Die Magdalenen-Inselgruppe ist der östlichste Vorposten von Québec mitten im St.-Lorenz-Golf. Die Îsles de la Madeleine umfaßt 12 über lange schmale Sandbänke verbundene Inseln, die insgesamt über 100 km lang sind. Hier sind die längsten Sandstrände ganz Kanadas! Im Winter liegen hier teilweise meterhohe Schneewehen. Die Straßen werden jedoch ständig freigehalten. Bei den Inselrundfahrten werden Sie zu den schönsten Aussichtspunkten gebracht. Die geruhsame Lebensart des "Savoire vivre" und die herrlichen Küstenlandschaften machen die Inseln zu einem beliebten Reiseziel der Québecoise. Deutsche Touristen verlieren sich hier nur sehr selten. Im Winter zieht es nur gerade 500 Touristen aus aller Welt hierher, um die Robbenbabies zu sehen. Die knapp 14.000 Insulaner schätzen die gepflegte Lebensart – sie lieben es z.B. gut essen zu gehen und sind stolz auf das beste Seafood ganz Amerikas. Sie sind auf der Hauptinsel Îsle du Cap aux Meules untergebracht. Hier ist das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der gesamten Inselkette.

Die Sattelrobben (Harp Seals)

Die Sattelrobbe gehört zur Familie der Hundsrobben und zur Unterfamilie der Seehunde. Sie ist also seehundsähnlich, jedoch kein eigentlicher Seehund. Die Sattelrobben werden bis zu 2,20 m lang und 180 kg schwer (Seehunde max. 100 kg). Wie alle Robben lebt sie ganzjährig im Meer. Nur zur Paarung, Geburt und zum Säugen kommt sie auf das Eis. Jedes Jahr Mitte Februar ziehen die Sattelrobben in riesigen Scharen vom Nordpolarmeer in die Mündung des St.-Lorenz-Stroms. Für die über 3.000 km lange Reise benötigen sie Monate. Die "Golfherde" genannte Gruppe besteht aus ca. 5 Millionen Individuen. Ende Februar werden die Jungen "geworfen". Sie sind bei der Geburt etwa 90 cm lang und haben ein langhaariges, seidenweiches Fell, das in den ersten 2-3 Tagen noch gelblich-weiß ist. Deswegen heißen sie anfangs "Yellow-coats" (Gelbmäntel), später – wenn die gleißende Sonne ihr junges gold-gelbes Fell ausgebleichthat – wird es dann schneeweiß. Die Whitecoats müssen schnell wachsen, um den bis zu – 20° Grad zu widerstehen. Daher ist die Muttermilch extrem fetthaltig. Während Kuhmilch ca. 3,8 % Fett hat, saugen die Sattelrobben-Babies etwa das zehnfache an Fett in sich auf. Bei der Geburt wiegen sie 11 kg – nach 10 Tagen schon das Dreifache! Das macht 2 kg Gewichtzunahme am Tag! Die Jungen werden ca. dreimal am Tag gesäugt und danach immer wieder allein gelassen. Die Muttertiere verschwinden dann durch eigens von ihnen angefertigte, kreisrunde Eislöcher. Von Zeit zu Zeit tauchen sie daraus wieder auf und beäugen argwöhnisch die orangefarbenen Besucher. Der fremde Geruch scheint sie nicht zu stören, selbst wenn ihre Jungen von allzu aufdringlichen Touristen gestreichelt worden sind. Die tiefschwarzen Kulleraugen in dem wuscheligen, weißen samtweichen Fell machen das Kindchenschema perfekt. Während die Yellowcoats noch zutraulich auf Sie zugerobbt kommen, sind die etwas älteren Whitecoats schon defensiver eingestellt. Wer zu nah herankommt wird angefaucht. Dabei zeigen sie ihre spitzen Zähne, vor denen man Respekt haben sollte. Es ist zwar nicht verboten sie anzufassen, doch sollten Sie der Versuchung widerstehen, um die Kleinen nicht zu sehr zu ängstigen.

Klappmützen-Robben (Hooded Seals)

Die Klappmützen gehören ebenfalls zur Familie der Hundsrobben, aber zur Unterfamilie der Rüsselrobben. Die Männchen werden bis zu 3,80 m lang und über 400 kg schwer. Sie haben eine Art Blase oder "Mütze" auf dem Kopf, die sie bei Erregung aufblasen. Dadurch wird die Größe des Kopfes fast verdoppelt. Im Gegensatz zur Sattelrobbe halten sich die Klappmützen zur Fortpflanzungszeit in unmittelbarer Nähe der offenen See auf. Die Jungen streifen nämlich bereits im Mutterleib ihr Wollkleid ab und können sich somit schon gleich nach der Geburt ins Wasser flüchten. Wegen ihres blau-silber schimmernden Felles werden sie auch Blaumänner oder "Bluebacks" genannt. Sie werden um den 13. März zur Welt gebracht und dann ganze fünf Tage von ihrer Mutter gesäugt. Die Klappmützen-Mutter bleibt während dieser Zeit im Gegensatz zur Sattelrobbe immer bei ihrem Kleinen. Wie ein riesiger Milchtank liegt sie neben ihm und verliert in nur 5 Tagen 25 % ihres Körpergewichtes! Dies ist die kürzeste Säugezeit unter allen Säugetieren auf der Erde. Die Milch der Klappmützen ist noch nahrhafter als die der Sattelrobben: der Fettgehalt beträgt nahezu 50 %. Auch dies ist ein Rekord im Tierreich. Dadurch wachsen die Blaumänner ganze 5 kg am Tag.

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